Ein modernes Mehrfamilienhaus mit Balkonen vor blauem Himmel mit grünen Bäumen im Vordergrund

Wärmepumpe fürs Mehrfamilienhaus: Ist das sinnvoll?

Ist eine Wärmepumpe für Mehrfamilienhäuser geeignet? Und was sind die Voraussetzungen dafür? Wir erklären, wann eine Wärmepumpe in ein Mehrfamilienhaus eingebaut werden kann und was es dabei zu beachten gibt.

Mehrfamilienhaus mit Wärmepumpe: Derzeit eher Seltenheit

Wärmepumpen sind vor allem Mittel der Wahl bei Ein- oder Zweifamilienhäusern. Allerdings befindet sich, laut Statistischem Bundesamt, mehr als die Hälfte der Wohnungen in Deutschland in Mehrfamilienhäusern – und die sind immer noch überwiegend mit fossilen Heizsystemen ausgestattet, die älter als 15 Jahre sind. Eine ausbaufähige Situation, so bewertet es die Deutsche Umwelthilfe. Denn: Mehrfamilienhäuser spielten eine zentrale Rolle beim Erreichen der Klimaziele.

Das Problem: Derzeit gibt es noch nicht viele Praxisbeispiele, die zeigen, wie man die Wärmeversorgung von Mehrfamilienhäusern mit Wärmepumpen optimal sichern kann. Die Anzahl der Wärmepumpen in Mehrfamilienhäusern nehme zwar zu, befände sich aber mit rund drei Prozent noch immer auf einem sehr geringen Niveau, so steht es in der „Roadmap zum Hochlauf der Wärmepumpe in Mehrfamilienhäusern“ der Deutschen Umwelthilfe. Die gute Nachricht aber gleich hinterher: Laut der gleichen Studie sind 90 Prozent aller bestehenden Mehrfamilienhäuser erst einmal grundsätzlich für den nachträglichen Einbau einer Wärmepumpe geeignet. Die Vorrausetzungen sind also gegeben, um eine Wärmepumpe nachzurüsten.

Vorteile einer Wärmepumpe im Mehrfamilienhaus

Wie bereits erwähnt, gibt es derzeit nicht viele Praxisbeispiele, anhand derer sich handfeste Vorteile einer Wärmepumpe im Mehrfamilienhaus ableiten lassen. Erste Referenzen für Wärmepumpen in Mehrfamilienhäusern haben bereits unsere Experten für Energielösungen für Geschäftskunden GASAG Solution Plus gesammelt. Es ist davon auszugehen, dass der Betrieb einer solchen Wärmepumpe in etwa dieselben positiven Effekte hat wie ihr Betrieb in einem Ein- oder Zweifamilienhaus. Dazu zählen:

  • Hohe Effizienz: Wärmepumpen arbeiten üblicherweise effizienter als eine Öl- oder Gas-Heizung.
  • Kostengünstiger Betrieb: Eine Wärmepumpe nutzt rund drei Viertel der kostenlosen Energie aus der Umgebung aus Erde, Wasser, Abwärme oder Luft.
  • Förderung des Umweltschutzes: Wärmepumpen gelten als Schlüssel für einen wirksamen Klimaschutz. Sie arbeiten unabhängig von Öl und Gas und produzieren kein umweltschädliches CO2.

Herausforderungen beim Einbau von Wärmepumpen im Mehrfamilienhaus

Während der Einbau von Wärmepumpen in Neubauten natürlich direkt mitgedacht werden kann, stellt er sich bei bestehenden Gebäuden und besonders im Altbau häufig etwas umständlicher dar. Welche Herausforderungen dann oft gemeistert werden müssen, haben wir hier beispielhaft zusammengefasst:

  • Komplexe Eigentumsverhältnisse: Die Eigentümerstruktur von Mehrfamilienhäusern ist sehr unterschiedlich. Häufig haben neben den Wohnungseigentümerinnen und -eigentümern auch die Kommunen oder Wohnungsbaugesellschaften mitzureden. Aus dieser großen Gruppe der Beteiligten können sich etliche Interessenskonflikte entwickeln. Der Weg zu einer gemeinsamen Entscheidung für oder gegen den nachträglichen Einbau einer Wärmepumpe könnte also lang sein.
  • Unzureichender Sanierungsstand: Gerade bei unsanierten Altbauten bedarf es maßgeschneiderter Sanierungsfahrpläne und die Einbindung der Wärmepumpe in ein Gesamtkonzept. Ideal wäre es, im ersten Schritt die gesamte Gebäudeeffizienz durch energetische Sanierungsmaßnahmen zu verbessern, bevor eine Wärmepumpe installiert wird. Ist dies aus finanziellen Gründen nicht möglich, empfiehlt es sich, eine Energieberatung in Anspruch zu nehmen, um kostengünstige und staatlich geförderte Maßnahmen zur Effizienzsteigerung zu finden.
  • Komplexere Abstimmung der Wärmepumpenleistung auf die Heizlast: In einem Mehrfamilienhaus ist es technisch aufwändiger, die Kapazität der Wärmepumpe exakt auf die Heizlast des Gebäudes abzustimmen. Deshalb ist eine sehr präzise technische Planung Voraussetzung für die Installation einer Wärmepumpe in einem Mehrfamilienhaus.
  • Bauliche Hemmnisse: Bestehende Vorschriften – beispielsweise bei Gebäuden, die unter Denkmalschutz stehen – können die Installation von Wärmepumpen in einem Mehrfamilienhaus erschweren, verzögern oder sogar verhindern. Grund dafür ist, dass die Installation der Wärmepumpe oft nicht ohne bauliche Veränderungen möglich ist.

Wärmepumpe fürs Mehrfamilienhaus: Vier wichtige Schritte

Der Einbau einer Wärmepumpe im Mehrfamilienhaus sollte sehr gut geplant werden. Hier finden Sie vier wichtige Schritte, die Sie unbedingt gehen sollten, um Ihrem Ziel strukturiert näher zu kommen:

  1. Energetischen Zustand ermitteln: Bevor es losgeht mit dem Einbau der Wärmepumpe, sollten Sie den energetischen Zustand Ihres Mehrfamilienhauses kennen. Sprich: Sie sollten wissen, wie viel Wärme das Gebäude benötigt, um in allen Wohnparteien eine angenehme Temperatur zur gewährleisten. Ermitteln lässt sich dies durch Energieberaterinnen und -berater. Gerade bei Altbauten kann das Ergebnis sein, dass erst einmal eine energetische Sanierungsmaßnahme empfehlenswert ist, damit die Wärmepumpe später auch wirklich effizient arbeiten kann. Ist dies der Fall, müsste im zweiten Schritt ein entsprechender Sanierungsfahrplan erstellt werden.
  2. Auswahl der Wärmepumpe: Alle nötigen Sanierungsmaßnahmen sind durchgeführt worden? Dann geht es nun darum, die richtige Wärmepumpe für Ihr Mehrfamilienhaus auszuwählen. Wichtig sind hier unter anderem Dimensionierung, Art der Wärmepumpe und Aufstellort.
  3. Antrag auf Förderung für eine Wärmepumpe im Mehrfamilienhaus: Für die Installation eine Wärmepumpe erhalten Sie in der Regel eine staatliche Förderung. Bei Mehrfamilienhäusern ist die Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) die zentrale Anlaufstelle. Sie bietet eine Vielfalt an Subventionen und zinsgünstigen Darlehen für den Austausch fossiler Heizungen durch Heizungen auf Basis erneuerbarer Energien und für die Sanierung von Gebäuden. Zuschüsse und Förderkredite können Sie bei der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) beantragen. Ganz wichtig: Für die Beantragung von Fördermitteln ist es in der Regel nötig, dass sie vor Beginn der Investition erfolgt.
  4. Kontakt zum Stromversorger suchen: Stimmen Sie sich früh mit Ihrem Stromversorger ab, um zu prüfen, ob der Anschluss an das Stromnetz des betreffenden Mehrfamilienhauses überhaupt genügend Kapazität für den höheren Leistungsbedarf hat. Falls nein, kann eine Anschlussverstärkung mehrere Monate dauern.